Am Samstag, 07.09.2019 waren wir zu Besuch bei Gabriele Mörixmann, die in der Nähe von Osnabrück ihren „Aktivstall für Schweine“ aufgebaut hat. Nachdem sie einige Jahre sowohl konventionelle als auch Bio-Haltung erprobt, dabei aber stets das Gefühl hatte, dass man den Tieren und ihren Bedürfnissen nicht gerecht wird, baute sie kurzerhand den alten Stall ihrer Eltern um. Nun haben ihre Tiere auf rd. 1500 qm ein schönes und artgerechtes Leben. „Die Schweine leben und sterben nur für uns. Das muss man sich klar machen. Und deshalb haben sie es verdient, dass man mit ihnen so gut wie möglich umgeht.“ sagte uns Frau Mörixmann.

Man sieht gleich bei der Ankunft eine kleine Gruppe Schweine, die fröhlich auf der sogenannten „Südterrasse“ im Stroh wühlen. Eines hat ein Kautschukspielzeug im Maul und schlenkert es munter in alle Richtungen. Neugierig kommen sie, die Besucher betrachten. Diese Schweine machen einen fröhlichen, lebhaften und gesunden Eindruck; sie haben Platz, Beschäftigung, Auslauf und vor allem: sie haben die Wahl, was sie tun möchten. In alle Himmelsrichtungen stehen diese „Terrassen“ zur Verfügung, so dass die Schweine selbst wählen können, ob sie auf die sonnige Süd-Terrasse, die kühlere Nord-Terrasse, den Innenbereich mit Stroh (Wühlbereich) oder Spaltenboden (Fressbereich), in die Dusche oder in den abgedunkelten Ruhebereich gehen wollen. Ihnen steht verschiedenes Spielzeug zur Verfügung (der Spiel-Igel scheint besonders gerne angenommen zu werden) und unterschiedliche Arten von Tränken, da es auch hier unterschiedliche Vorlieben bei den Tieren gibt. „Meine Schweine werden zu nichts gezwungen. Sie können selbst entscheide, was sie tun möchten.“

Die Ferkel, die nach der notwendigen Säugezeit mit etwa 6 kg zu ihr kommen, werden anfangs separat in einer großen Gruppe gehalten. „Sie vermissen ihre Mütter, aber hier haben sie die Gesellschaft der anderen und gewöhnen sich schnell ein.“ 

Ebenfalls separat gibt es ein Pflege- und ein Nachmastabteil aus halb Stroh, halb Spaltenboden und mit Heuraufe. Fast alle haben noch ihren Ringelschwanz, denn bei dieser Haltungsform kommt Schwanzbeißen praktisch nicht vor. Auch sonst sehen wir keine Aggressionen, und abgesehen von ein paar Schrammen hier und da hat keines der Tiere eine Verletzung.

Gabriele Mörixmann ist voller Energie und Engagement für ihre Schweine. Ganz wichtig ist ihr, dass das Tierwohl-Konzept nicht nur in ihrem eigenen Stall gelebt wird, sondern auch vom Ferkelzüchter, der sie beliefert, und vom Schlachthof, zu dem ihre Tiere kommen. Der Ferkelzüchter (der natürlich nur mit Betäubung kastriert) ist deshalb gerade dabei, seinen Stall umzubauen: weg von den Kastenständen, Freilauf und Frischluft für die Mastschweine und ihre Ferkel.

Der Schlachthof liegt in der Nähe, damit keine längeren Transportzeiten anfallen. Außerdem wird dort größter Wert darauf gelegt, dass die Tiere stressfrei ankommen und nach einer angemessenen Wartezeit ruhig in den Backloader gehen, wo eine schnelle Betäubung mit hoher CO2-Konzentration erfolgt. Hiervon hat sich Frau Mörixmann selbst mehrfach überzeugt.

Sie hat ein Logo entwickelt, das andere Bauern aber auch Schlachter, Verarbeiter und Lebensmittel­einzelhandel verwenden können, wenn sie entweder selbst einen Aktivstall haben oder ihre Tiere (bzw. deren Fleisch) von Aktivställen beziehen. Also von Betrieben, die den Schweinen mehr Platz, Wühl-, Fress-, Ruhe- und Spielbereiche, Bereiche mit Kühlungsmöglichkeiten und Außenklima­bereiche zur Verfügung stellen. Diese Betriebe werden von ihr kontrolliert und zertifiziert. 

Auch auf Transparenz legt sie größten Wert. So kann man nicht nur Besichtigungstermine bei ihr vereinbaren, man kann durch Fenster auch bei geschlossenem Stall Einblick bekommen, und es gibt Videos, die z.B. auch in der von ihr belieferten Metzgerei gezeigt werden.

Interessierten Landwirten bietet sie Umbauberatung, Konzepterstellung und Ringelschwanzschulung, weil es ihr wichtig ist, dass es den Tieren gut geht, so lange sie leben.

Natürlich wären wir glücklich, wenn es nur noch Veganer gäbe und wir uns über die Haltungs­bedingungen von Nutztieren keine Gedanken mehr machen müssten. Aber davon sind wir leider noch weit entfernt. Deshalb sind wir froh über jeden Landwirt, der seine Tiere nicht als Ware ansieht sondern als fühlendes Lebewesen und es entsprechend gut behandelt.

Deshalb wollen wir die Erfahrung und Motivation von Frau Mörixmann an „unsere“ Landwirte, die bei dem Projekt „Schwein ohne Pein“ mit uns zusammenarbeiten, weitergeben. Wir werden ein gemeinsames Treffen organisieren und mit ihrer Unterstützung versuchen, das Aktivstall-Konzept in möglichst vielen weiteren Betrieben zu etablieren. Das werden wir für die Millionen Schweine, die jedes Jahr ihr Leben lassen müssen nicht schaffen. Dessen sind wir uns bewusst. Aber auch wenn es nur ein Bruchteil ist: jedes einzelne Schweinchen, das ein fröhliches, artgerechtes Leben führen kann, wäre ganz bestimmt dankbar dafür.