In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Infektionskrankheiten dramatisch gestiegen. Rund 70 % davon sind sogenannte Zoonosen, also Krankheiten die von Tieren auf den Mensch übertragen werden. Dabei handelt es sich selten um Haustiere und Nutztiere, sondern meistens um Wildtiere, so wie es auch jetzt aller Wahrscheinlichkeit der Fall war.

Durch Zoonosen wurden unter anderem auch Sars, Mers, Ebola, Vogel- und Schweinegrippe, Aids und seinerzeit die spanische Grippe – die fast 50 Millionen (!) Tote gefordert hat – übertragen.

Fledermäuse, Schweine und andere Tiere können von verschiedenen Virenstämmen befallen sein, ohne dass die Tiere selbst krank werden. Wenn sich diese Virenstämme mischen, entstehen neue Varianten, die dann auch auf andere Tiere oder den Menschen übertragen werden können. Oder ein Virus aus einem Tier mischt sich mit dem Virus eines Menschen und lässt so einen neuen Virustypen entstehen. Viren haben die unangenehme Eigenart, sehr wandlungsfähig zu sein, und niemand kann vorhersagen, wie genau sie sich verändern. Dadurch hinkt die Forschung immer ein wenig hinterher; eine Zeitspanne, in der das neu mutierte Virus schon reichlich Gelegenheit hatte, sich weiter zu verbreiten.

Vermutlich wurde Covid-19 von Wildtieren ausgehend auf den Menschen übertragen, 100% sicher ist das jedoch nicht. Man kann auch die Möglichkeit nicht ganz ausschließen, dass ein mit Covid-19 infizierter Mensch auf dem Markt in Wuhan war und andere Menschen angesteckt hat. Wo dieser Mensch das Virus herhatte, weiß man dementsprechend natürlich erst recht nicht.

Nehmen wir den Erreger der Schweinegrippe, der eine Variante des Virus H1N1, dem Auslöser der Spanischen Grippe, darstellt. Dieser Erreger kann sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen. Die mutierte Variante, die die Schweinegrippe beim Menschen auslöst, ist allerdings bei Schweinen in dieser Form noch nicht vorgekommen. Er muss also auf den Menschen übergegangen sein und sich in diesem zu einer Form entwickelt haben, die den Menschen erkranken lässt. Ab diesem Zeitpunkt kann er von Mensch zu Mensch übertragen werden – und eine Pandemie auslösen.

Die Vogelgrippe ist seinerzeit übrigens zwar von Vögeln auf Menschen übergesprungen, konnte aber nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Das heißt, die infizierten Menschen waren nur für Vögel gefährlich, nicht aber für andere Menschen.

Ein Virenstamm, der vom Tier zum Menschen übertragen wird oder sich aus einem „tierischen“ und einem „menschlichen“ Virus bildet, entsteht meist da, wo Menschen sehr nah mit Tieren zusammenleben und die hygienischen Bedingungen unzureichend sind. Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Tröpfcheninfektion (Speichel beim Niesen, Husten, Sprechen) oder Schmierinfektion (Berühren von kontaminierten Gegenständen wie z.B. Türklinken) und tritt über die Schleimhäute von Augen, Mund oder Nase in den Körper ein.  Deshalb ist das gründliche Händewaschen auch so wichtig.

Aber was ist mit der Übertragung durch Lebensmittel? Weder bei Covid-19 noch bei Schweinegrippe & Co gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Lebensmittel das Virus übertragen. Auf dem Markt in Wuhan wurden auch lebendige Tiere verkauft, die die Käufer dann zu Hause erst getötet und für die Zubereitung von bestimmten Gerichten verwendet haben. Eine Infektion durch den engen Kontakt zu infizierten lebendigen Tieren ist - wie oben geschildert - möglich, insbesondere beim Kontakt mit Wildtieren. Bisher ist der Wissenschaft kein Fall bekannt, bei dem sich Menschen durch den Verzehr von Lebensmitteln mit Covid-19 oder Schweinegrippe angesteckt haben. Selbst wenn Nahrung durch eine infizierte Person zubereitet wird, ist das Risiko minimal. Dennoch sollten Infizierte natürlich keine Lebensmittel zubereiten und man sollte generell sorgfältige Hygiene beachten – denn Bakterien wie Salmonellen, E-Coli etc. sind ja von jeher eine Gefahr, insbesondere beim Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch.

Wie auch immer: Nutztiere, die artgerecht leben dürfen, besseres Futter bekommen und ein insgesamt schöneres Leben mit Platz und Auslauf im Freien haben, sind nachweislich gesünder. Weniger Stress und Angst bewirken eben auch ein besseres Immunsystem. Und das wiederum ist besser in der Lage Krankheitserreger abzutöten.

Ein weiteres Argument für artgerechte Haltung und gegen Massentierhaltung. Wir sollten es langsam mal lernen, dass Massentierhaltung zwar billiges aber keineswegs gutes Fleisch produziert.