Es ist schon irgendwie paradox:

  • Das Immunsystem von Schweinen ist dem menschlichen so ähnlich, dass Impfstoffe gegen Influenzaviren – aktuell auch gegen Corona 19 – an diesen Tieren getestet werden.
  • Schweine infizieren sich nicht nur genauso wie der Mensch mit Grippeviren, sie bilden auch Antikörper mit ganz ähnlichen Eigenschaften wie der Mensch.
  • Neben dieser „Immunantwort“ wird an Schweinen auch die Sicherheit der neu entwickelten Impfstoffe getestet, und man prüft mögliche Nebenwirkungen. Wenn das Schwein gut auf einen Impfstoff reagiert, kann er bereits im nächsten Schritt am Menschen getestet werden.
  • Schweine haben außerdem ein dem Menschen sehr ähnliches Atmungssystem. Husten, Bronchienerkran­kungen und Lungenentzündung kommen dementsprechend bei beiden Lebewesen vor.
  • Bereits seit Jahrzehnten können Herzkranke durch Herzklappenimplantate von Schweinen wieder ein normales, gesundes Leben führen, ohne dass für das Implantat zusätzliche Medikamente notwendig sind. Bei der Implantation von künstlichen Herzklappen muss der Patient dagegen Blutverdünnungsmittel nehmen.
  • Brandopfer können durch die Transplantation von Schweinehaut gerettet werden.
  • Es wird daran gearbeitet, menschliche Organe in Schweinen heranzuzüchten und dann in Menschen zu transplantieren. Da diese Organe aus menschlichen Stammzellen hervor­gegangen sind, wird voraussichtlich keine Abstoßung (die das größte Problem bei Organ­transplantationen darstellt) erfolgen.
  • Auch in Größe, Form und Funktionsweise sind die Organe von Schweinen wie maßgeschneidert für den Menschen.
  • Die genetische Übereinstimmung von Schweinen mit dem Menschen ist mit rd. 90% fast genauso hoch wie die von Schimpansen.
  • Schweine gehören zu den intelligentesten Säugetieren. Ihr Intelligenzquotient ist höher als der eines dreijährigen Kindes.
  • Schweine haben - wie der Mensch - ein „Ich-Bewusstsein“, sie verwenden Werkzeuge, können andere austricksen und verstehen, wie Spiegel funktionieren. Sie können sogar Video-Spiele mit Joystick spielen.
  • Schweine bauen Beziehungen und sogar Freundschaften auf, haben individuelle Charaktere und Persönlichkeiten.

 

Und dennoch essen wir sie. Ohne Skrupel.

  • Jährlich werden alleine in Deutschland rd. 60 Millionen Schweine geschlachtet.
  • Jährlich verzehrt im Durchschnitt jeder Deutsche rd. 60 kg Schweinefleisch (auch als Wurst).
  • Dafür werden die Tiere größtenteils in stinkenden Massenställen gehalten, wo sie kaum Platz und Auslauf haben. Muttersauen werden mehrere Monate im Jahr in metallenen Kasten­ständen, die nur wenige Zentimeter größer sind als ihr Körper, fixiert. Ohne Betäubung schneidet man ihnen die Schwänze ab und schleift ihnen die Zähne kurz.
  • Die artgemäßen Bedürfnisse der Schweine werden fast völlig unterbunden. Sonne, Wiese oder gar eine schöne matschige Suhle kennen die meisten dieser Millionen Tiere nicht.
  • Bis zu 90 % der Schweine in den Massenställen sind krank: Gelenkerkrankungen, Herzbeutel- und Bauchfellentzündungen, Lungenerkrankungen, Verletzungen, Infektionen... Vieles davon wird nicht behandelt, denn sie leben ja ohnehin nur ein paar Monate.

 

Der Wurst und dem Schnitzel sieht man das Leid der Tiere nicht an.

Wir sind sehr froh über die zunehmende Zahl der Landwirte, die in ihren Ställen neue Konzepte für ein besseres Schweineleben entwickelt haben. So wie Gabriele Mörixmann und Jörg Boves, über die wir in Nr.11 und 18 berichteten.

Sie verzichten auf größeren Profit, haben mehr Arbeit und oftmals auch mehr Sorgen. Aber sie haben erkannt, was für liebenswerte Lebewesen Schweine sind und wollen ihnen ein gutes, weitestgehend artgerechtes Leben bieten. Das haben sie verdient, denn sie lassen ihr Leben für uns.